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Lernen, mit Fake News umzugehen

Journalistin Eva Heidenfelder wirbt an der Frankenlandschule für mehr Medienkompetenz

Von: J. Mayer (RNZ, 04.05.2019)

Walldürn. „Papst unterstützt Präsidentschaftskandidat Donald Trump im Wahlkampf“, „Merkel hasst Deutschland und ist wahnsinnig“ und allerlei Prominente, die für tot erklärt werden, sich aber kurze Zeit später als quicklebendig herausstellen: Fake News sind im digitalen Zeitalter kaum zu verhindern, aber man kann lernen, mit ihnen umzugehen. Dafür müssen Nutzer in die Lage versetzt werden, den Wert einer Information einzuschätzen. Genau das ist das erklärte Ziel der freien Journalistin Eva Heidenfelder, die gestern, am Tag der Pressefreiheit, das Gespräch mit Schülern der Frankenlandschule gesucht hat. Dabei berichtet die heutige Münchnerin, die selbst ihr Abitur in Walldürn abgelegt hat, der zwölften Klasse des Wirtschaftsgymnasiums aus ihrem professionellen Alltag und erklärt, wie Journalismus betrieben wird. Ihre wichtigste Lektion für die Schüler: „Bitte glaubt nicht alles, was man euch erzählt!“. Das veranschaulicht sie anhand einer Online-Meldung mit Foto, das laut dazugehörigem Text Flüchtlinge zeigt, die gegen eine Kirche urinieren. Tatsächlich ist das Bild nicht bearbeitet, allerdings lehnen die abgebildeten Eritreer und Äthiopier lediglich zum Gebet an der Außenwand des Gotteshauses. Kniffliger wird der Fall bei einem mit einer Helmkamera aufgezeichneten Video: Es zeigt einen Klippenspringer, der im Meer bei Sydney auf einen riesigen Weißen Hai trifft. Echt oder fake? Die Antwort hat Eva Heidenfelder parat: Das Video ist manipuliert, den Hai hat eine australische Filmproduktionsfirma für ein Experiment eingefügt.
Dass Fake News die Schüler direkt betreffen können, zeigt ein Beispiel aus der Region von 2017. Ein damals 14-Jähriger beschuldigte eine Gruppe von Flüchtlingen, ihm im Rahmen des Buchener Schützenmarktes schwere Verbrennungen zugefügt zu haben. Die Meldung geht viral. Dann die Wende: Die Polizei gibt bekannt, dass der Junge mit einer Spraydose experimentiert und sich dabei selbst verletzt hatte. Seine Geschichte mit den unbekannten Angreifern hatte er erfunden, um seine Leichtsinnigkeit zu vertuschen. Trotz aller angebrachter Skepsis wirbt die Referentin dennoch bei den Schülern für ein gewisses Grundvertrauen: „Wenn ich nicht einmal mehr den Medien und den Staatsorganen traue, kann ich mich ja gleich von der Brücke stürzen“, mahnt sie vor allzu ausufernden Verschwörungstheorien. Den Schülern gegenüber gesteht sie aber ein, dass der Vertrauensvorsprung, den gerade die Zeitungen jahrzehntelang genossen haben, geschrumpft ist. An dieser Stelle pflichten ihr gleich mehrere Schüler bei: „Jede Zeitung dreht sich die Wahrheit ein Stück so weit so, dass sie zur eigenen Agenda passt“ und „Zeitungen bedienen hauptsächlich ihre eigene Klientel“ ist aus den Reihen der Jugendlichen zu hören.
Gedruckte Nachrichten stehen bei den Schülern ohnehin nicht hoch im Kurs. Eine kurze Abfrage der Journalistin zeigt: Nur etwa ein Drittel der Eltern hat eine Tageszeitung abonniert, die Schüler selbst verzichten vornehmlich auf diese Morgenlektüre. „Wir holen uns die News aus dem Internet“, sagen sie.
Darin sieht Lehrer Andreas Geier eine Gefahr: „Im Internet bleibt nur noch Zeit, die Überschrift zu lesen. Die ‚Generation Smartphone‘ droht sich im Wust der Informationen zu verlieren“. Deshalb hat der Fachschaftsvorsitzende an der Frankenlandschule das Projekt mit der Deutschen Journalistenschule initiiert und seine frühere Schülerin Eva Heidenfelder bereits zum zweiten Mal für eine Diskussion mit Zwölftklässlern nach Walldürn geholt.
„Die Schüler sind zum Teil in ihren Filterblasen gefangen, manche verachten die Öffentlich-Rechtlichen als Staatsmedien“, befürchtet Geier. Die Förderung der Medienkompetenz – sprich: Grundregeln im Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien zu lernen – steht deshalb seiner Meinung nach zu Recht auf den Lehrplänen und ist häufiges Thema in den Schulen. „Darüber muss man mit Kindern aller Altersstufen sprechen“, sagt auch Eva Heidenfelder.
Sich selbst und generell Erwachsene sieht sie ebenfalls nicht vor den Gefahren von Fake News gefeit: Das zeigt die Durchschlagkraft von Falschmeldungen wie „Hillary Clinton leitet Kinderporno-Ring“ oder dem bereits erwähnten „Flüchtlinge urinieren gegen Kirchen“, die beide tausendfach geteilt wurden. Was bei ihrer Arbeit als Journalistin zur Sorgfaltspflicht gehört, ist daher auch im Privatleben ein guter Ratgeber: „Ich überprüfe, ob das, was ich höre, der Wahrheit entspricht.“
Die von den Lehrern propagierte Medienkompetenz ist also ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum mündigen Bürger, der sich selbst informiert, aber auch andere Meinungen zulässt und sich damit auseinandersetzt. Die Walldürner Schüler entlässt Heidenfelder mit einem letzten Appell: „Seid nett zueinander und achtsam und stellt euch gegen das hasserfüllte Klima in den sozialen Medien.“

 
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