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Exkursion zur Abtei Münsterschwarzach
„Ora et labora“ – Dieser zentrale Grundsatz des Klosterordens der Benediktiner (lat.: „Bete und arbeite“) war für die zehn Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses sowie ihren betreuenden Lehrer OStR Winkler (Thema des Seminarkurses: „Die wirtschaftliche Bedeutung der Klöster im Mittelalter“) während ihrer Exkursion in das Kloster Münsterschwarzach eindrucksvoll zu spüren. Dabei erfuhren die Gäste aus der Wallfahrtsstadt von ihrem Gastgeber, Mönch Bruder Stephan, nicht nur interessante Informationen über die Klosteranlage und das alltägliche Leben der Ordensgemeinschaft in der heutigen Zeit. Es wurde auch eine Zeitreise in das Mittelalter im Zusammenhang mit den Klöstern und ihrer Historie und Bedeutung vorgenommen, wobei nicht zuletzt an der aus dieser Zeit stammenden Grundregel „Ora et labora“ deutlich ersichtlich wurde, dass die mittelalterliche Vergangenheit auch im heutigen Klosteralltag in vielen Bereichen noch präsent ist.
Am Morgen des 9. Mai begaben sich die Seminarkursteilnehmer in die ca. 25 km östlich von Würzburg gelegene Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach. Dort wurden sie von Bruder Stephan begrüßt und im „Raum der Gastfreundschaft“ fand die Willkommensrunde statt. Hier ging es für Bruder Stephan insbesondere darum, von den Schülerinnen und Schülern zu erfahren, welche Schwerpunktthemen sie im Seminarkurs gewählt hatten und welche persönlichen Erwartungen sie mit der Veranstaltung verbänden. Anschließend stellte sich Bruder Stephan vor und schilderte seinen persönlichen Werdegang seit dem Schulabschluss bis heute. So beschrieb er, dass er zunächst eine Ausbildung zum Steuerberater absolviert hatte und hier vorerst beruflich tätig war. Seine tiefere Suche nach der Nähe zu Gott und die intensive Beschäftigung mit Sinnfragen des Lebens führten ihn im Alter von 22 Jahren zu dem Entschluss, sich für das Leben in der Ordensgemeinschaft der Benediktiner zu entscheiden. Dieser gehört er nun seit 36 Jahren an. Während dieser Zeit unternahm er einige Reisen als Missionar ins Ausland, die er selbst als „unheimlich bereichernd“ empfand. Zudem blieb er seinen beruflichen Wurzeln treu und bildete sich zum Bilanzbuchhalter weiter.
Nach dieser Kennenlernrunde führte Bruder Stephan die Gruppe zu einem sich vor der Klosterkirche befindlichen Modell der gesamten Klosteranlage. Hier veranschaulichte der Benediktinermönch den Aufbau von Münsterschwarzach und erklärte in diesem Zusammenhang auch die geschichtlich bedingte Entwicklung der Abtei. Im 8. Jahrhundert gegründet, war Münsterschwarzach zunächst ein Nonnenkloster. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde das Kloster dann erstmals von Mönchen geführt. In den folgenden Jahrhunderten erlebte das Kloster eine schwankende Entwicklung, die von Blütezeiten und Zerstörungsphasen (insbesondere durch den Bauernkrieg und den 30jährigen Krieg) geprägt waren. Einen tiefen Einschnitt erfuhr Münsterschwarzach im Jahr 1803, als die Abtei im Zuge der von Napoleon veranlassten Säkularisation durch den bayerischen Kurfürsten Maximilian aufgehoben wurde. Klostergebäude wurden abgetragen und dienten als Baumaterial für andere Zwecke, Mitte des 19. Jahrhunderts diente die Klostermühle als Papierfabrik. 1913 wurde die Anlage dann für ihren ursprünglichen Zweck wiederbegründet und 1914 zur Abtei erhoben. Während des Vortrages von Bruder Stephan konnten die Schülerinnen und Schüler immer wieder Fragen stellen, die vom Gastgeber kompetent beantwortet wurden. So erklärte Bruder Stephan beispielsweise, was der Unterschied zwischen einer Abtei und „nur“ einem Kloster ist. Demnach kann jedes Kloster, wenn es bestimmte Voraussetzungen erfüllt (u.a. bestimmte Größe) von einer höheren kirchlichen Stelle zu einer Abtei erhoben werden. Bruder Stephan nannte dann noch einige gegenwärtige Fakten zu Münsterschwarzach. So besteht die Ordensgemeinschaft derzeit aus ca. 90 Mönchen. Darüber hinaus sind in der gesamten Klosteranlage ungefähr 300 Personen beschäftigt. U.a. unterhält die Abtei ein eigenes Gymnasium, das derzeit von ca. 800 Schülerinnen und Schüler besucht wird.
In der folgenden Phase der Exkursion bekamen die Seminarkursteilnehmer die Gelegenheit, selbstständig das seit einem Jahr bestehende Informationszentrum des Klosters zu erkunden. Die Ausstellung informiert und fasziniert die Gäste mit ihrer vielfältigen und anschaulichen Gestaltung. Beispielsweise wird hier die mit Hilfe einer Zeittafel die Geschichte der Abtei dargestellt. Auch kann man sich Aufnahmen darüber anhören, aus welchen unterschiedlichen Motiven sich die Mönche für das Leben in der Ordensgemeinschaft entschieden hatten. Des Weiteren gibt es eine visuelle Darstellung, bei der laut Bruder Stephan typische Fragen von Besuchern aufgegriffen und beantwortet werden. So erfährt man interessante Auskünfte auf Fragen wie „Dürft ihr Freunde und Familie besuchen?“ oder „Bekommen Mönche ein Taschengeld?“. Des Weiteren werden auch die Bedeutung der bereits eingangs erwähnten Grundregel der Benediktiner – „Ora et labora“ und deren Auswirkung auf den Tagesablauf und die Tätigkeiten in der Abtei erläutert. Ferner gibt das Informationszentrum Auskunft über die vielfältigen Missionarstätigkeiten der Benediktiner weltweit.
Nach dem Besuch des Informationszentrums versammelten sich die Schülerinnen und Schüler in einem Aufenthaltsraum des Klosters, wo nun die eigentliche Gesprächsrunde mit Bruder Stephan anstand. Unter begleitender Moderation von OStR Winkler nahm sich der Benediktinermönch Zeit, auf die einzelnen Fragen der Seminarkursmitglieder einzugehen. So konnten z.B. Fragen nach den verschiedenen Orden und deren Unterscheidung, der Rolle der mittelalterlichen Klöster als Innovationszentren oder der Funktion von damaligen Klöstern als Banken von Bruder Stephan fachkundig beantwortet werden. Nach diesem und gleichzeitig letzten offiziellen Tagesordnungspunkt der Exkursion bedankte sich Ferdinand Winkler bei Bruder Stephan für dessen Bereitschaft sowie kompetente Durchführung und Unterstützung. Mit Augenzwinkern wies der Seminarkursbetreuer darauf hin, dass es eine Gemeinsamkeit zwischen der Abtei Münsterschwarzach mit ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Felicitas, und der Frankenlandschule Walldürn gebe.
Bevor schließlich der Rückweg angetreten wurde, bestand für die Schülerinnen und Schüler noch die Möglichkeit, eigenständig weitere Bereiche der beeindruckenden Klosteranlage zu erkunden. Somit wurde der sehr interessante und ergiebige Ausflug des Seminarkurses sinnvoll abgerundet.
 
Ferdinand Winkler

 
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